Ist es vernünftig, dass die Teilnehmer von den besten materiellen und verfahrenstechnischen Ausgangspunkten ausgehen, zu denen sie Zugang haben, oder nur von Ausgangspunkten, die Epistemologen objektiv für wahr oder gültig halten? Das ist es, was die Differenz ausmacht. Als Epistemologen scheinen Biro und Siegel nur an der Beurteilung der Argumentation durch einen externen Gutachter interessiert zu sein, der die Argumentation aus “objektiven” Gründen beurteilt, unabhängig von den Besonderheiten der eigentlichen Diskussion, in der sie stattfindet, und ihrer intersubjektiven Akzeptanz (vgl. Siegel und Biro 2010, S. 467–468). Abgesehen von der Frage, ob dies tatsächlich eine bessere Sicht auf die Argumentationstheorie ist, stellt sich die Frage, inwieweit ein solcher Ansatz in der Praxis zu entscheidenden Ergebnissen führen kann und besser geeignet ist, mit argumentativen Diskursen in den verschiedenen kommunikativen Praktiken umzugehen als der pragmatisch-dialektische Ansatz. Marxistische Dialektik ist eine Form der hegelianischen Dialektik, die für das Studium des historischen Materialismus gilt. Es behauptet, ein Spiegelbild der realen Welt zu sein, die vom Menschen erschaffen wurde. Dialektik wäre also eine robuste Methode, unter der man persönliches, soziales und wirtschaftliches Verhalten untersuchen könnte. Die marxistische Dialektik ist die Kernbasis der Philosophie des dialektischen Materialismus, die die Grundlage der Ideen hinter dem historischen Materialismus bildet.

In van Eemeren et al. (2007) werden beispielsweise mit Hilfe des Begriffs der “dialektischen Profile” Indikatoren argumentativer Bewegungen identifiziert, die in der argumentativen Realität verwendet werden. Der nächste Schritt, den wir in unserem Forschungsprogramm machen mussten, war die Untersuchung der Konsequenzen, die sich für die Durchführung des argumentativen Diskurses in einem bestimmten kommunikativen Typus ergeben (van Eemeren 2010, S. 144–159). Das ideale Modell einer kritischen Diskussion kann entscheidend dazu beitragen, die besonderen Wege zu charakterisieren, in denen je nach den spezifischen institutionellen Anforderungen, die erfüllt werden müssen, die argumentative Dimension in den verschiedenen kommunikativen Aktivitätstypen untermauert wird. Die Verwendung des Modells einer kritischen Diskussion in allen Fällen als analytischer Bezugspunkt gewährleistet nicht nur eine kohärente und konsistente Einschätzung der argumentativen Dimension, sondern schafft auch Einheit lichkeit im Vergleich zwischen verschiedenen kommunikativen Aktivitätstypen. Fußnote 12 Hegel nimmt Kants dialektische Auffassung von Vernunft an, befreit aber die Vernunft aus der Tyrannei des Verstehens. Kant hatte Recht, dass die Vernunft spekulativ Konzepte für sich erzeugt und dass dieser spekulative Prozess von der Notwendigkeit getrieben wird und zu Konzepten zunehmender Universalität oder Vollständigkeit führt.

Kant hatte sogar Recht, wenn er – wie er in der Diskussion der Antinomien gezeigt hatte – meinte, dass die Vernunft dialektisch sei oder notwendigerweise selbst Widersprüche hervorbringe. Auch Kants Fehler war, dass er nicht sagte, dass diese Widersprüche in der Welt selbst sind. Er versäumte es, die Einsichten seiner Diskussion über die Antinomien auf “Dinge an sich” anzuwenden (SL-M 56; SL-dG 35).